Adhäsionsverbindung, Kontaktwinkel und Oberflächeneigenschaften von Polyamid (Nylon)

Polyamide, auch als Nylon bekannt, sind Hochleistungskunststoffe mit ausgezeichneter Chemikalienbeständigkeit. Nylons sind hygroskopisch und nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf. Feuchtigkeit an sich verursacht bereits Haftungsprobleme. Nylon ist hydrophob und weist eine geringe Oberflächenbenetzbarkeit auf. Die Frage lautet: Ist Nylon hydrophob, hydrophil oder vielleicht beides?

Ein Polyamid ist ein Polymer mit sich wiederholenden Amidbindungen (–CO-NH–). Die Herstellung der verschiedenen Polyamidtypen unterscheidet sich je nach ihren Monomereinheiten. Sie können aliphatisch, teilaromatisch oder aromatisch (Aramide) sein. Nach ihrer Kristallinität können sie amorph, teilkristallin oder kristallin sein. Nylon-Polymere lassen sich naturgemäß schwer verkleben, da sie hydrophob und chemisch inert sind und eine schlechte Oberflächenbenetzbarkeit (d. h. eine niedrige Oberflächenenergie) besitzen. Darüber hinaus sind Nylons hygroskopisch und nehmen aus der Atmosphäre Wasser in Höhe von mehr als 3 % ihrer Masse auf. Feuchtigkeit an sich verursacht bereits Haftungsprobleme.

Moment – die obigen Aussagen scheinen sich unmittelbar zu widersprechen. Ist Nylon nun hydrophob oder hydrophil? Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, sobald man erkennt, dass das hydrophobe Verhalten von Nylon eine Oberflächeneigenschaft und sein hydrophiles Verhalten eine Volumeneigenschaft ist. Auch Polyimid zeigt dieses Verhalten.

Die Betrachtung der chemischen Struktur der Wiederholungseinheit eines Polymers – etwa Methylgruppen (CH3) bei hydrophoben Polyolefinen oder Amidgruppen bei hydrophilen Nylons – ist eine einfache Möglichkeit zu bestimmen, ob es hydrophil oder hydrophob ist. Die einfachste Methode zur Bestimmung der Oberflächeneigenschaften eines Polymers sind Wasserkontaktwinkelmessungen, sowohl für den statischen als auch für den dynamischen Kontaktwinkel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nylon ist an der Oberfläche hydrophob und im Volumen hydrophil – dieser scheinbare Widerspruch ist der Schlüssel zum Verständnis.
  • Nylons nehmen aus der Atmosphäre mehr als 3 % ihrer Masse an Wasser auf, und bereits die Feuchtigkeit allein verursacht Haftungsprobleme.
  • Amidbindungen ziehen Wasser an und bestimmen damit das Verhalten im Volumen; die Oberfläche bleibt niederenergetisch und nicht benetzend.
  • Polyimid verhält sich genauso, das Prinzip lässt sich also über Polyamid hinaus verallgemeinern.

Nylon besitzt wie die meisten Polymere eine niedrige Oberflächenenergie. Ursache dafür sind die Oberflächenchemie sowie die Oberflächen- und Polymerphysik. Kontaktwinkel gelten als beeinflusst sowohl von Änderungen der Oberflächenchemie als auch von Änderungen der Oberflächentopografie. Haftet ein Tropfen auf einer festen Oberfläche und wird diese geneigt, so schiebt sich der Tropfen nach vorn und gleitet abwärts. Die dabei gebildeten Winkel werden als Fortschreitwinkel (Advancing Angle) bzw. Rückzugswinkel (Receding Angle) bezeichnet. ASTM D724 beschreibt Verfahren zur Messung dynamischer Kontaktwinkel (DCA) mit hochentwickelter Messtechnik (optische Tensiometer und Goniometer), um Fortschreit- und Rückzugswinkel anhand von Tropfenkonturanalyse und Masse auszuwerten.

Der Fortschreitwinkel reagiert am empfindlichsten auf die niederenergetischen (unbehandelten) Anteile der Substratoberfläche, während der Rückzugswinkel empfindlicher auf die hochenergetischen, oxidierten Gruppen reagiert, die durch Oberflächenvorbehandlungen eingebracht werden. Damit ist der Rückzugswinkel tatsächlich die Messgröße, die den modifizierten Anteil der Oberfläche nach der Vorbehandlung am treffendsten charakterisiert. Deshalb ist es entscheidend, bei allen oberflächenmodifizierten Materialien sowohl den Fortschreit- als auch den Rückzugswinkel zu messen.

Scott R. Sabreen ist Gründer und Präsident von The Sabreen Group, Inc., einem Ingenieurunternehmen, das auf sekundäre Kunststoffverarbeitung spezialisiert ist – Oberflächenvorbehandlungen, Kleben, Dekoration und Veredelung, Laserbeschriftung und Produktsicherheit. Seit über 30 Jahren entwickelt er neue Technologien und löst Fertigungsprobleme. Sie erreichen Scott Sabreen unter 972.820.6777 oder über www.sabreen.com bzw. www.adhesionbonding.com.

Häufig gestellte Fragen

Ist Nylon hydrophob oder hydrophil?

Beides – und das ist kein Widerspruch. Das hydrophobe Verhalten von Nylon ist eine Oberflächeneigenschaft, sein hydrophiles Verhalten dagegen eine Volumeneigenschaft. Die Oberfläche widersetzt sich der Benetzung und hat eine niedrige Oberflächenenergie; die Amidgruppen innerhalb der Kette ziehen Wasser an, sodass das Volumen bereitwillig Feuchtigkeit aufnimmt.

Wie viel Feuchtigkeit nimmt Nylon auf?

Mehr als 3 % seiner Masse aus der Atmosphäre. Feuchtigkeit an sich verursacht bereits Haftungsprobleme. Deshalb ist eine sachgerechte Trocknung vor dem Spritzgießen sowohl für die Verarbeitung als auch für die Leistungsfähigkeit jedes nachfolgenden Klebeschritts entscheidend.

Woran erkennt man, ob ein Polymer hydrophil oder hydrophob ist?

Betrachten Sie die Wiederholungseinheit seiner chemischen Struktur. Methylgruppen wie bei Polyolefinen deuten auf hydrophobes Verhalten hin, Amidgruppen wie bei Nylons auf hydrophiles Verhalten. Das ist eine schnelle Ersteinschätzung, noch vor jeder Oberflächenprüfung.

Warum lassen sich Nylons schwer verkleben?

Sie sind hydrophob, chemisch inert und weisen aufgrund ihrer niedrigen Oberflächenenergie eine schlechte Oberflächenbenetzbarkeit auf. Klebstoffe können die Oberfläche nicht ausreichend benetzen, sodass in der Regel eine Vorbehandlung erforderlich ist, um die Oberflächenenergie zu erhöhen und polare chemische Funktionalitäten einzubringen.

Verhält sich Polyimid genauso wie Nylon?

Ja. Polyimid zeigt dieselbe Aufspaltung zwischen hydrophobem Oberflächenverhalten und hydrophilem Volumenverhalten, sodass dieselbe Trocknungsdisziplin und dieselbe Vorbehandlungslogik gelten.


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